Die Dorfkirche Landow

Landow vor 25 Jahren – Carsten Zillich, Vorsitzender des Freundeskreises „Kirche zu Landow“, erinnert sich...

„Im Südwesten der Insel Rügen führte 1991 ein völlig ausgefahrener Feldweg in das ehemalige Pfarrdorf Landow. Auf einer leichten Anhöhe über dem  Überschwemmungsgebiet des Boddens erhebt sich bescheiden die ehemalige Pfarrkirche in einem Kranz riesiger Kastanien. Bauschäden an der Kirche dokumentieren, dass sie aufgegeben wurde. Friedhof und Park sind verwildert. Das Innere der Kirche macht einen völlig verwahrlosten Eindruck. Man schaut in den offenen Dachraum. Die demontierten Deckenbretter des Kirchsaals stapeln sich im gewölbten Chor. Spuren der Bemalung und einer Misshandlung sind erkennbar. Wo sind Kanzel und Taufe geblieben? Auf dem Mensablock ist der Torso des Altars aufgerichtet worden, davor ein Segmentbogen-Brett mit Kerzen bestückt. In den Mauernischen und auf den Fensterbänken sind aus Ziegelsteinen Kerzenständer geworden. Stühle verheißen Veranstaltungen. Der Kirchenraum strahlt den morbiden Charme einer vergangenen Schönheit aus.

Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben sich durch die Künstlerin Annelise Hoge dafür gewinnen lassen, hier ein Konzert durchzuführen. Die Bretter sollen dafür ins Freie verlagert werden. Frau Hoge hat bereits mit ihren Bildern und mit Kerzen den Raum zu einem einzigartigen Konzertsaal verzaubert. Die Festspiele haben ihn kurzzeitig zum Leben erweckt, und inzwischen ist daraus die von Ostern bis in den Herbst offene Kultur- und Wegekirche Landow geworden. Der Kirchen- und Landschaftsraum ist ein gern besuchter „magischer Ort“, wie ihn später der Pianist Matthias Kirschnereit benannt hat.“

 

Seitdem findet in Landow alljährlich das Kammermusikfest statt und die Kirche ist damit die älteste, jährlich genutzte Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Ohne die tatkräftige Unterstützung durch Familie Zillich, die die Festspiele seit dem ersten Konzert begleitet, wäre der jährliche Besuch der Festspiele MV nicht möglich: Sie stellen den Musikern während des Musikfests ihre privaten Räumlichkeiten zum Proben, Verweilen und Innehalten zur Verfügung, sie empfangen sowohl das Team als auch die Musiker mit großer Herzlichkeit, sie kümmern sich um das leibliche Wohl und sind stets parat, wenn irgendjemand irgendetwas benötigt.

Die Dorfkirche Landow hat sich seit ihrer allmählichen Wiedererrichtung zu einem wahren Schmuckstück auf Rügen entwickelt. Doch gerade die uneingeschränkte Freundlichkeit von Familie Zillich, mit der sie alle Gäste empfangen, macht den ganz besonderen Reiz der ältesten Spielstätte der Festspiele MV aus.