Ulrichshusen - Das Herz der Festspiele MV

Schloss Ulrichshusen

Von einer traurigen Ruine zum kulturhistorischen Kleinod

 

Eingebettet in die unberührte Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz, zwischen strohgelben Feldern, tiefen Wäldern und stillen Seen, liegt Schloss Ulrichshusen, das seit Beginn der Festspiele MV zu den bedeutendsten Festspielorten des Landes gehört – ein Festspielsommer ohne Ulrichshusen wäre schlicht undenkbar. Doch kaum einer weiß um die wechselvolle Geschichte der wehrhaften Renaissance-Anlage…

 

Ulrichshusen, das ist die Geschichte der Familie von Maltzahn. Ein Name erst ohne, dann mit „h“. 1562 baut „Ulrich“ sein „hus“, sein „Ulrichshusen“. Sechzig Jahre später zerstört ein großes Feuer die Burg. Bernd-Ludolph von Maltzan, Wallensteins Quartiermeister, baut das Schloss in nur zwei Jahren 1624–26 wieder auf. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges sieht Ulrichshusen in schwedischer Hand. Immer geht es hoch her. Es sind die politischen und wirtschaftlichen Strömungen, die auch das Schicksal von Ulrichshusen immer wieder bestimmen. 1945 Flucht und Vertreibung. Danach das wachsende Chaos. Erst Zufluchtsort für Flüchtlinge, dann Tanz- und Vergnügungsstätte, später „Konsum“ und „HO“-Anlaufstelle. Februar 1987: Das Ende der DDR naht. Aus ungeklärter Ursache brennt Ulrichshusen bis auf die Grundmauern nieder. Das ist der Zustand, den Helmuth und Alla von Maltzahn mit ihren Töchtern vorfinden, als sie sich 1993 entschließen, Ulrichshusen zu kaufen und den Wiederaufbau zu beginnen.

 

Gründungsintendant Matthias von Hülsen erinnert sich…

 

„1993 hatte ich einen Brief von einem Herrn von Maltzahn bekommen, der von mir bescheinigt haben wollte, dass die Schlossruine, die er zu kaufen beabsichtigte, eine schöne Spielstätte für die Festspiele wäre. Nach einer Woche mahnte er bereits mit Telefonanrufen, bis ich ihm schließlich einen Brief schrieb. Und dann stand er zu Silvester vor unserer Tür, mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern, und sagte: Sie haben es geschrieben, jetzt sind Sie dran. Wir sind dann zusammen im Februar nach Ulrichshusen gefahren: Da guckte lediglich ein Kran aus einem kleinen Wäldchen – das war die von Bäumen umwucherte Ruine. Es gehörte wirklich viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass dort überhaupt irgendetwas zur Aufführung kommen könnte. Aber es gab eine kaputte Scheune, und Scheunenerfahrung hatte ich aus Schleswig-Holstein. Ich sah, dass sie von Material und Form her gut klingen könnte. Und dann haben alle mit angepackt: der Fischer Arni Koch, der Elektro- und Bürgermeister Dirk Stolz, der Landrat Gert Schultz sowie unzählige Helfer aus Ulrichshusen und den Nachbardörfern.“

 

Und wer am 6. August 1994 aus Marxhagen kommend die vier Kilometer Sandweg bis zum Hügel über dem See und der Schlossruine geschafft hatte, traute seinen Augen nicht: Unter einem Meer von Fahnen wandelte eine unüberschaubare, heitere, beschwingte Menschenmenge und wartete auf das Konzert mit keinem Geringeren als Lord Yehudi Menuhin, der – begeistert von der Idee „Ulrichshusen“ – zusammen mit dem London Symphony Orchestra das erste Konzert in der Festspielscheune gab.
Aus der einstigen Ruine wurde ein kulturhistorisches Kleinod, ein Ort der Künste.  Inzwischen ist Ulrichshusen Musikliebhabern weit über die Grenzen des Landes und Deutschlands hinaus bekannt und zu einem Ort mit großem Nimbus geworden. Schloss und Scheune sind längst keine traurigen Ruinen mehr, sondern beeindruckende Symbole des Wiederaufbaus.