Spielstätten der Festspiele

Kulturhäuser waren in der ehemaligen DDR vom Staat geförderte Stätten für Bildung, Unterhaltung und Geselligkeit. Mestlin mit seinen damals 700 Einwohnern gehörte zu den ersten drei Orten, die vom Ministerrat Mecklenburg-Vorpommern zum Ausbau als Beispieldorf bestimmt wurden. Die relative Nähe zur Kreisstadt Parchim und zur Bezirksstadt Schwerin mögen dafür ausschlaggebend gewesen sein. So wurden hier im „Schwerpunktdorf“ ohnehin knappe Baureserven zusammengezogen. Neben Wohnraum und Schule war das Kulturhaus Mittelpunkt der Planungen.

Das nach Plänen des Architekten Erich Bentrup (1891 - 1969) errichtete monumentale Gebäude im damaligen sozialistischen Musterdorf Mestlin wurde am 19. Oktober 1957 feierlich eröffnet. Erbaut wurde es im Stile eines sozialistisch geprägten Neoklassizismus als zweigeschossiger Putzbau mit Walmdach. Zwölf Fensterachsen und der portikusartige Mittelrisalit mit einer Freitreppe gliedern die Hauptfassade. Auch die anderen drei Fassaden werden durch Portici gestaltet, hier allerdings zurückhaltender. Vielfache Umbauten haben von der ursprünglichen Raumgliederung und der Ausstattung nur wenig hinterlassen. Auch das große Wandbild „Früchte Mecklenburgs“ von Vera Kopetz im Foyer ist nicht erhalten. Die geplanten Baukosten von 1,2 Millionen Mark erwiesen sich schnell als zu niedrig kalkuliert und wuchsen schließlich mit 3,5 Millionen Mark auf fast das Dreifache an. So zog sich auch die Fertigstellung vom ursprünglich geplanten Eröffnungstermin 30. Juni 1953 bis in das Jahr 1957 hinein. Restarbeiten erfolgten noch bis 1959. Die Ernennung des Kulturhauses und des umliegenden Gebäudeensembles zum Baudenkmal erfolgte bereits 1977. Bis zur politischen Wende 1989/90 war das Kulturhaus das kulturelle Zentrum der Gemeinde und der Region. Über 50.000 Personen pro Jahr besuchten die Veranstaltungen im Kulturhaus. Es gab Arbeitsgemeinschaften, Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen für alle Altersgruppen, Betriebsversammlungen, Lehrgänge, Konferenzen und Ausstellungen. Das modern ausgestattete Gebäude mit Gaststätte, Saal, Hörsaal und vielen Nebenräumen stand den Besuchern bis 1990 zur Verfügung. Nach der politischen Wende wurde es kurze Zeit als Großraumdiskothek genutzt und stand seit 1996 leer. Der letzte Betreiber hinterließ ein völlig verwahrlostes und ausgeräumtes Haus. Viele Einrichtungsgegenstände wurden entwendet oder zerstört. Eine Bürgerinitiative und zwei Vereine renovierten in Zusammenarbeit mit der Gemeinde in den letzten Jahren Teile des Gebäudes. Es werden Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen organisiert. Der erste Förderverein, der von 1997 bis 2003 existierte, realisierte unter anderem die Dachsanierung im Jahr 2000 unter Zuhilfenahme von Denkmalschutzmitteln. Seit dem Juli 2008 nimmt sich der Verein Denkmal Kultur Mestlin e. V. dem Erhalt des Kulturhauses und des umliegenden Gebäudeensembles an. Im Jahr 2011 wurde dieses von der Bundesrepublik als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ anerkannt. 2016 erhielt das Kulturhaus den Nordkurier-Spielstättenpreis der Festspiele MV.