Sternstunden in der Meckl. Seenplatte (23.04.2012)

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Musikalische Sternstunden in der Mecklenburgischen Seenplatte

 

Mehr als 30 Konzerte der Festspiele MV in Ulrichshusen und Umgebung

 

Mit 15 Konzerten in der Sommersaison (9. Juni – 9. September 2012) sowie sieben Adventskonzerten im Schloss und in der Festspielscheune Ulrichshusen schlägt das Herz der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auch 2012 wieder besonders stark an diesem idyllischen Ort in der Müritzregion. Und auch in der Umgebung sind mehr als 20 Festspielkonzerte zu erleben, zum Teil in neuen Spielstätten wie den Kirchen in Dobbertin und Krumbeck sowie den Gärten in Wangelin und am Tiefwarensee in Waren (Müritz).

 

Einen Ausblick auf das Konzertgeschehen der Sommersaison in Ulrichshusen und Umgebung gab heute Festspiel-Intendant Dr. Matthias von Hülsen: „Große Namen wie Hélène Grimaud und Anne Sofie von Otter, inzwischen weltberühmte Festspielpreisträger wie Daniel Müller-Schott, Julia Fischer, Daniel Hope und Viviane Hagner, bekannte Orchester und musikalischer Nachwuchs stehen in Ulrichshusen auf dem Programm. Ein besonderer Höhepunkt wird außerdem das Wandelkonzert auf drei Bühnen zum 50. Geburtstag der Deutschen Stiftung Musikleben.“

Wandelkonzert in Schloss, Scheune und Konzertzelt in Ulrichshusen

 

Schlossherr Helmuth von Maltzahn stellte aktuelle Baumaßnahmen rund um das Konzertgeschehen vor: „Mit einer mehr als 1.000 Quadratmeter umfassenden Pergola mit Terrasse werden wir den Konzertbesuchern eine ganz neue, erweiterte Gastronomie direkt vor der Festspielscheune bieten und den Rahmen für ein unvergessliches Konzerterlebnis so noch verbessern. Nach dem Ausbau des ehemaligen Bullenstalls wird darüber hinaus ein Raum für Konzerteinführungen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen.“

 

Außerdem unterzeichneten Axel Mesing, Regionalbereichsleiter MV der E.ON edis, und Dr. Matthias von Hülsen den Sponsoringvertrag, der die Finanzierung von insgesamt vier Festspielkonzerten durch E.ON edis im Jahr 2012 umfasst. Axel Mesing betonte: „Als regionaler Energiedienstleister legen wir großen Wert darauf, auch Kunst und Kultur in unserem Netzgebiet zu fördern. Mit Freude und Stolz schließen wir heute bereits den 13. Fördervertrag mit den Festspielen MV ab.“ Zu den geförderten Konzerten gehört u. a. das Konzert mit Festspielpreisträgerin Viviane Hagner (Violine) und dem Philharmonischen Orchester Heidelberg in der Festspielscheune, bei dem Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Konzert für Violine und Orchester sowie Griegs Peer-Gynt-Suiten auf dem Programm stehen. Es dirigiert Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor Cornelius Meister, der an diesem Abend den einmalig vergebenen Dirigentenpreis 2011 der Festspiele MV entgegennimmt (08.07.). Am 26. August bringt Viviane Hagner mit dem MDR Sinfonieorchester unter Gilbert Varga ein Violinkonzert von Siegfried Matthus, ein Auftragswerk der Festspiele MV, zur Uraufführung. Außerdem auf dem Programm: Mozarts weltberühmte „Jupiter-Sinfonie“.

 

Gleich am zweiten Tag der Saison feiern die Festspiele MV und die Familie von Maltzahn am 10. Juni mit einem großen Star das „Festkonzert 450 Jahre Ulrichshusen“: Pianistin Hélène Grimaud spielt mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter Leitung von Eivind Gullberg Jensen Ravels erstes Klavierkonzert. Brahms’ erste Sinfonie überzeugt schließlich aufs Neue von den Qualitäten der Festspielscheune als „Konzerthaus auf dem Lande“. Ein weiteres Jubiläum verspricht ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art: Die Deutsche Stiftung Musikleben wird 50 Jahre alt.Aus diesem Anlass gibt es zu Ehren der Stiftung ein großes Wandelkonzert auf drei Bühnen mit Stipendiaten und Festspielpreisträgern wie Geigerin Viviane Hagner und ihrer Schwester Nicole Hagner (Klavier), dem Klavier- und Percussion-Duo Gerassimez, dem Vokalensemble Singer pur und dem Pianist Igor Levit. Die Besucher wandeln zwischen Festspielscheune, Schloss und dem eigens errichteten Konzert-Zelt im Park von einem Programmpunkt zum nächsten (30.06.).

 

Auch die Preisträgerin in Residence 2012, Geigerin Veronika Eberle, gastiert in Ulrichshusen: Als herausragende Solistin präsentiert sie Schostakowitschs erstes Violinkonzert zusammen mit Krzysztof Urbański und dem NDR Sinfonieorchester, das den Abend mit Dvořáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ ausklingen lässt (23.06.). Musikalisch gibt Veronika Eberle außerdem bei zwei Kammermusik-Projekten den Ton an: Zum „Friends-Projekt“ reisen neben dem Münchner Kammerorchester und Dirigent Christoph Poppen auch ihre Freunde wie der Cellist Julian Steckel, Pianist Francesco Piemontesi und Bratschist Antoine Tamestit an(14.07.). Für das „Preisträger-Projekt“ hat Veronika Eberle ein vielseitiges Programm mit Festspielpreisträgern wie dem Cellisten Sebastian Klinger, Matthias Schorn (Klarinette), dem Danish String Quartet und anderen zusammengestellt (28. – 29.07.).

 

Das Konzerthausorchester Berlin ist als gern gesehener Gast bei den Festspielen MV mit gleich drei Dirigenten in Ulrichshusen zu erleben. Der neue Chefdirigent Iván Fischer präsentiert am 19. August mit den Festspielpreisträgern Daniel Müller-Schott und Julia Fischer Brahms’ berühmtes Doppelkonzert und Dvořáks Sinfonie Nr. 7. Unter der Leitung von Gabriel Feltz spürt das Orchester am 1. Juli der hochromantischen 5. Sinfonie von Tschaikowski nach und bringt zusammen mit den Festspielpreisträgern des Sitkovetsky Piano Trios Beethovens Tripelkonzert auf die Bühne. Dirigent Steven Sloane widmet sich schließlich den Sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Die beiden Exilanten zeichneten mit dem „Ballet chanté“ am Vorabend des Zweiten Weltkriegs 1933 ein Gesellschaftsbild, das vom Lug und Trug der beginnenden Naziherrschaft erzählt. Stimmlich umgesetzt wird das Werk von den Ensemblepreisträgern amarcord (02.09.).

 

Eine große Stimme zu hören, wenn Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter mit dem Concerto Melante am 12. August u. a. eine Kantate von Telemann präsentiert, darüber hinaus steht Bachs viertes Brandenburgisches Konzert auf dem Programm.

 

Anne Sofie v. Otter; Daniel Hope; Jozef Hamerník

 

Zur Tradition geworden ist bereits der gemeinsame Auftritt eines Festspielpreisträgers mit dem Landesjugendorchester MV, der in diesem Jahr erstmalig in der Festspielscheune Ulrichshusen stattfindet: Zusammen mit den jungen Musikern spielt Jozef Hamerník Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 (06.07.). Als weitere „alte Bekannte“ der Preisträgerfamilie – allerdings erstmalig im Trio – sind Li-Wei Qin (Preisträger in Residence 2011), Jonathan Gilad und Daniel Hope zu erleben, die romantische Werke von Brahms und Mendelssohn Bartholdy zum Besten geben (08.09.).

 

Und auch in der Umgebung von Ulrichshusen locken zahlreiche hochkarätige Konzerte an reizvollen Spielstätten. So ist die Konzertkirche in Neubrandenburg seit jeher Austragungsort des Abschlusskonzerts der Festspiele MV. Die NDR Radiophilharmonie Hannover unter Lionel Bringuier beschließt die Saison gemeinsam mit dem Künstlerischen Direktor Daniel Hope (09.09.), während die Preisträgerin in Residence Veronika Eberle dort am 8. Juli zusammen mit der Dresdner Philharmonie und dem Dirigenten Michael Sanderling zu Gast ist. Diese beiden Konzerte sind bereits komplett ausverkauft. Karten gibt es aber noch für ein weiteres Konzert der Superlative in der Konzertkirche, wenn am 22. Juli mit Mahlers gewaltiger 3. Sinfonie eine der längsten Sinfonien überhaupt zur Aufführung kommt. Auf der Bühne wird Dirigent Florian Krumpöck die Norddeutsche Philharmonie Rostock, die junge norddeutsche philharmonie sowie mehrere (Kinder-)Chöre aus MV und Berlin zu einem imposanten Klangkörper vereinen.  

 

Nicht weit von Ulrichshusen, im Land Fleesensee, heißt es am 7. Juli: „There’s no Business like Showbusiness”. Mit Melodien aus Musicals von Leonard Bernstein, Irving Berlin und Cole Porter wartet das WDR Rundfunkorchester Köln beim großen Open Air im Schlosspark auf. Ebenfalls unter freiem Himmel sorgt vor den mittelalterlichen Klosterruinen von Dargun die norwegische Star-Trompeterin Tine Thing Helseth mit ihrem Bläserensemble für „Norwegian Brass Power“ (22.08.).

 

Der Spielstättenschwerpunkt „Komponierte Landschaften“ richtet den Blick auf die zahlreichen Parks und Gärten rund um die Festspielkonzerte, seien es herrschaftliche Schlossparks oder privat angelegte Gärten – auch in der Seenplatte: Der Schlosspark in Hohenzieritz, der älteste Landschaftspark in Mecklenburg-Vorpommern, bildet die Kulisse für das Meccorre String Quartet aus Polen, das im Schloss Werke von Mozart, Beethoven und seinem Landsmann Penderecki spielt (13.07.). Im Lehmhaus im Garten Wangelin bietet die junge Pianistin Livyka Stirbu-Sokolov ein virtuoses Programm von Haydn bis Liszt dar. Vor dem Konzert können die Besucher an einer Führung durch den größten Kräutergarten Mecklenburgs teilnehmen (26.07.). Neben dem Schlosspark in Neustrelitz gestaltete der preußische Landschaftsarchitekt P. J. Lenné auch jenen bzw. die gesamte Dorfanlage in Basedow. In der Dorfkirche Basedow präsentiert der junge Pianist Jingge Yan die Bagatellen von Beethoven – die letzten Kompositionen, die der große Meister der Wiener Klassik für das Klavier schrieb und die ihrer Zeit musikalisch weit voraus in die Romantik weisen (09.08.). Im Rahmen des Konzerts in der Dorfkirche Krumbeck kann der Besucher einen weiteren Lennépark besichtigen. Musikalisch trumpft dann am Abend der preisgekrönte junge Pianist  Dominic Chamot mit Werken von Bach, Haydn und Chopin auf (11.08.). Schon Johann Wolfgang von Goethe lustwandelte durch die atemberaubende Natur des Schlossparks von Burg Schlitz. Neben dem idyllischen Park und dem edlen Ambiente der Hotelanlage ist die junge britische Geigerin Jennifer Pike, die 2002 als jüngste Künstlerin zur „BBC young musician of the year“ gekürt wurde, der Glanzpunkt des Abends. Werke von Kreisler, Schumann und Debussy stehen auf dem Programm (23.08.).

 

In der diesjährigen Reihe „Fokus Dänemark“ stellen die Festspiele MV das nordische Königreich musikalisch in den Mittelpunkt, u. a. mit zwei Konzerten in der Müritzregion: Im tropischen Gewächshaus des Schaugartens am Tiefwarensee in Waren sind „Klange I Himmelrummet“ – „Klänge wie aus dem Himmel“ – mit dem dänischen Ensemble Inviolata zu erleben. Im Duo präsentieren der Akkordeonist Andreas Borregaard und der Bratscher Asbjørn Nørgaard eigens für sie arrangierte Werke von Bach über Prokofjew und Hindemith bis zu Piazzolla (20.06.). In Neustrelitz findet die Reihe am 6. Juli ihren Abschluss, wenn das Ensemble MidtVest, eines der vielseitigsten und erfolgreichsten dänischen Ensembles – bestehend aus einem Streichquartett, einem Bläserquintett und einem Pianisten – Werke seines Landesgenossen Nielsen sowie von Bartók und Schumann präsentiert. Da die beiden Konzerte ebenso zur Reihe „Komponierte Landschaften“ gehören, wird vor den Konzerten jeweils eine Führung durch den Schaugarten am Tiefwarensee in Waren bzw. durch den von P. J. Lenné angelegten Neustrelitzer Schlosspark angeboten.

 

Auch zahlreiche Preisträger-Konzerte locken in der Mecklenburgischen Seenplatte: Das britische Doric String Quartet spielt eines der letzten und nach eigener Aussage bedeutendsten Werke Beethovens in der mittelalterlichen Feldsteinkirche in Poppentin (07.09.). In der Kulturscheune in Woldzegarten begleitet die junge norddeutsche philharmonie unter der Leitung von Nicholas Milton den Cellisten Daniel Müller-Schott bei Elgars Cellokonzert (02.08.). Bachs „Goldberg-Variationen“ in einer Bearbeitung des Geigers Dmitri Sitkovetsky interpretiert das Trio Echnaton im Gutshaus Drosedow (22.06.). Gleich zwei Duo-Abende mit Festspielpreisträgern finden in der Kirche Fürstenhagen statt, und zwar am 4. Juli, wenn Preisträgerin in Residence Veronika Eberle und Pianist Lars Vogt Werke von Debussy und Mozart spielen sowie am 29. August, wenn Publikumspreisträgerin Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) mit dem international gefeierten Pianisten José Gallardo u. a. Schuberts „Arpeggione“-Sonate präsentiert.

 

Auf Burg Stargard steht der Trompeter Lennart Axelsson, der bereits mit Jazzgrößen wie Chet Baker, Quincy Jones und Henry Mancini spielte, mit dem LandesJugendJazzOrchester MV auf der Bühne. Unter der Leitung von Michael Leuschner geht die musikalische Reise durch die Geschichte der Trompete im Jazz – von Roy Eldridge bis Clifford Brown (29.07.). „Junge Elite“ ist zu hören, wenn Cellist Narek Hakhnazaryan und Pianist Denis Kozhukhin die Klosterkirche Dobbertin mit Klängen von Schubert, Chopin und Paganini füllen (12.07.) oder das Escher String Quartet in der Kirche in Fincken Streichquartette von Mendelssohn Bartholdy, Bartók und Dvořák zum Besten gibt (15.07.)

 

Von mittelalterlicher Musik bis ins 21. Jahrhundert und vom Madrigal bis hin zu Gospel- und Poparrangements reicht das Programm der legendären King’s Singers beim bereits komplett ausverkauften Konzertam 29. Juni in der St.-Marien-Kirche in Penzlin. Die unangefochtene Nr. 1 aller A-cappella-Formationen besteht seit über 40 Jahren und ist auf allen großen Konzertpodien der Welt zuhause.

 

Karten für die Konzerte, das Programm der Saison sowie alle weiteren Informationen sind im Internet unter www.festspiele-mv.de, telefonisch unter 0385 – 591 85 85 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Konzertbeginn. Die Abendkassengebühr beträgt 2,- Euro pro Karte.