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Der Duft von Rosentorte

Ein Besuch im Rosenpark Groß Siemen

Ein buntes Rosenmeer, Bienen summen durch die Luft, Schmetterlinge tanzen auf Lavendel, Libellen fliegen über den Teich, ein leichter Wind weht durch die Blätter des 200 Jahre alten Baumbestandes … und über allem liegt der herrlich süße Duft der 3.500 historischen und Englischen Rosen.

 

Das ist der Rosenpark des Gut Groß Siemen, ein Gutshaus aus dem Jahr 1890, das 2001 von Familie Schütte übernommen und liebevoll renoviert wurde. Das Haupthaus, ein auf Feldsteinen ruhender, zweigeschossiger Backsteinbau, war zu dieser Zeit weitestgehend heruntergekommen; auch der Park war zugewuchert und lag im Dornröschenschlaf.

 

In diesem verwilderten Garten fand Edda Schütte zwei alte Rosenstöcke und begann, ihre Sorten zu recherchieren — der Beginn einer großen Sammelleidenschaft. Sieben Jahre später entstand die Idee für den Rosenpark, in dem heute insbesondere historische Sorten und Englische Sorten zu finden sind, darunter die Charles Austin, die Brother Cadfael oder die William Lobb. Einen Favoriten hat Edda Schütte nicht, aber die Englischen Rosen mag sie besonders gern, »weil sie so knuffig, so verspielt sind und ihr Kleid bis zum Verblühen ständig wechseln«. Abgesehen von einem Mitarbeiter kümmert sie sich selbst um ihren Rosengarten. In Eigenarbeit hat Familie Schütte das Gutshaus und den Park zu dem gemacht, was es heute ist: eine blühende Landschaft — im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Tage nach dem Regen, wenn die Feuchtigkeit aufsteigt — das ist dann wie Parfüm, wie Sekt, wie alles gleichzeitig. Dann weiß ich, warum ich das ganze Jahr rumwühle.

Edda Schütte

Der denkmalgeschützte Gutspark mit seinem bis zu 200 Jahre alten Baumbestand, die Sichtachsen auf die alten Eichensolitäre und der weitschweifende Blick in den insgesamt knapp 30 Hektar großen Landschaftspark bilden den Rahmen für die Rosensammlung. Die einzelnen Parkbereiche sind fließend miteinander verbunden, und wer vom Gutshaus aus über den Park in die wunderschöne sanfthügelige Landschaft blickt, kann diese harmonische Gestaltung sofort erkennen und ganz unmittelbar genießen. Der malerisch mäandernde Hellbach durchströmt das weitläufige Areal mit großen Teichflächen. Über Brücken und Rundwege können verschiedene Parkbereiche erlebt werden. Zahlreiche Bänke laden zum Verweilen und Beobachten der Kraniche, der Pfauen oder des Wildes ein. Das an einen englischen Landschaftspark anmutende Areal ist nicht nur für Rosenliebhaberinnen und -liebhaber ein Geheimtipp.

Zwei Jahre nachdem die Orangerie gebaut wurde, wurde sie als Festspielort eingeweiht und mit dem NORDKURIER-Spielstättenpreis 2012 ausgezeichnet. Seither sind die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern jeden Sommer mit einem Konzert in den wunderschönen Rosenpark von Groß Siemen zurückgekehrt. Und jedes Jahr sind alle — die Künstlerinnen und Künstler, das Festspiel-Team und die Besucher und Besucherinnen — begeistert von dem Farbenmeer, der Duftexplosion und dem einmaligen Ambiente des Rosenparks.

 

Und wie duftet so ein Sommer im Rosenpark von Groß Siemen? »Der Sommer duftet sehr verschieden. Es beginnt immer mit der Aicha, das ist eine Bibernellrose, eine historische, die immer an der Hauswand anfängt. Und jedes Mal juble ich, wenn ich sie das erste Mal sehe. Die Rosen zeigen sich tatsächlich auch in jedem Jahr anders und es duftet dann eben mal nach der, mal nach der«, sagt Edda Schütte.

 

Doch es gibt da noch einen weiteren Duft, der bei einem Festspielkonzert niemals fehlen darf: der nach der wunderbaren Rosentorte, die Schütte eigens für die Konzertbesucherinnen und -besucher backt. Mit dem Geschmack dieser saftig-luftigen Torte auf den Lippen, dem herrlich süßen Tortenduft, der sich mit jenem der historischen und Englischen Rosen mischt, in der Nase und dem Summen der Bienen über dem Rosenmeer im Ohr begeben sich die Konzertgäste in die Orangerie und genießen den finalen Höhepunkt des Tages: ein Konzert mit jungen Ausnahmekünstlerinnen und -künstlern der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Text von Maite Birker