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Der Ton macht die Musik

Matthias Kunze über seine Arbeit als Klavierbauer

Eine lange Ausbildung, musikalisches Gehör und sehr viel Leidenschaft für Klaviere und Flügel. Ohne diese Qualitäten kann Matthias Kunze sich seinen Beruf kaum vorstellen.
Seit Beginn der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern 1990 ist das Team rund um das Piano–Haus Kunze ein treuer Begleiter bei der Durchführung unserer Konzerte. Jedes Jahr transportieren und stimmen sie wunderschöne Flügel und Klaviere. Sie sorgen für einen perfekten Klang bei rund 100 jährlichen Veranstaltungen, damit die Künstlerinnen und Künstler sowie das Publikum zufrieden das Konzert erleben können.

Dabei läuft selbst bei den Profis nicht immer alles reibungslos ab. Viele Nerven kostete 2017 das Projekt »Stars im Dorf« in Salow. Um den Flügel für das Konzert auf die Bühne zu befördern, die sich auf dem Dachboden des Speichers befand, wurde die Unterstützung der Feuerwehr benötigt. Mit Hilfe einer Hebebühne und der Kraft der Feuerwehrmänner wurde der Flügel durch einen kleinen Schacht auf die obere Etage gebracht.

Bevor die Künstlerinnen und Künstler auf den Instrumenten auf den Bühnen Mecklenburg-Vorpommerns spielen, prüfen die Klavierbauer diese auf Zustand und Klang. Dies erfolgt unter anderem hinter den Kulissen in der Werkstatt des Piano–Hauses in Alt Meteln.
In liebevoller Handarbeit entfernen Matthias Kunze und sein Team dort beispielsweise die Mechaniken der Instrumente und tauschen die Achsen der Hammerköpfe. Zu der täglichen Arbeit des Teams gehört auch das Wechseln der Saiten oder der Auftrag des Klavierlacks.

 

Ob ein Flügel oder Klavier restauriert werden kann, ist unabhängig von seinem Alter. Vielmehr ist der Zustand entscheidend. Jedes Instrument kann repariert werden, solange die akustische Anlage, die Grundsubstanz eines Instrumentes, weiterverwendet werden kann.
Komplizierter wird es, wenn die Gussplatte zu Schaden gekommen ist, denn diese kann ein Klavierbauer nicht schweißen. Vielmehr muss ein neuer Rahmen eingebaut werden. Dadurch entsteht gewissermaßen ein neues Instrument.


Dass der Zustand nicht vom Alter des Flügels abhängig ist, bewies Kunze mit seinem bisher ältesten Instrument. Die Klavierbauer konnten nach elf Wochen Arbeitszeit einen Blüthner-Flügel aus dem Jahre 1885 fertigstellen. Sie reparierten unter anderem die alte Oberfläche und stimmten final das Instrument einen halben Ton tiefer als gewohnt, da die Konstruktion des alten Flügels die heutzutage normale Tonhöhe nicht zuließ.

Alle alten Instrumente, die in die Werkstatt kommen und dann von meinen Mitarbeitenden in liebevoller Handarbeit aufgearbeitet werden, sind tolle Projekte.

Matthias Kunze

Besonders ist ihm dabei die Reparatur eines alten Flügels in Erinnerung geblieben. Matthias Kunze und sein Team haben das Instrument sorgfältig aufgearbeitet und lieferten es zurück an die Besitzer. Das Ehepaar war so ergriffen und dankbar, dass sie erst wieder spielen konnten, nachdem die Freudentränen getrocknet waren.

 

Text von Charlotte Meyn