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Kleines Fest im großen Park 2019
Kleines Fest im großen Park 2019

Kleines Fest im großen Park wird zum pandemiegerechten Kleinen Bühnenfest

Im Gespräch mit dem Künstlerischen Leiter Harald Böhlmann

Aus dem größten Open Air der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wird im diesjährigen Festspielsommer ein Kleines Bühnenfest. Denn aufgrund der anhaltenden Planungsunsicherheit kann das Kleine Fest im großen Park mit seinen zahlreichen, im Schlosspark verteilten Bühnen nicht wie gewohnt stattfinden. In diesem Jahr müssen nicht Sie von Bühne zu Bühne laufen, sondern die Künstlerinnen und Künstler kommen zu Ihnen. Beim Kleinen Bühnenfest mit drei festen Bühnen, an denen es jeweils eine Bestuhlung auf Abstand geben wird, können so die einzuhaltenden Abstände eingehalten und die üblicherweise großen Besucherströme pandemiegerecht zu den einzelnen Bühnenstandorten geführt werden. Harald Böhlmann, der Künstlerische Leiter des Kleinen Festes, hat im Gespräch verraten, was das große Open Air in diesem Jahr so besonders macht.

Kann das Kleine Fest im großen Park in diesem Jahr stattfinden?

Harald Böhlmann: »Es wird in diesem Jahr kein Kleines Fest im großen Park in der gewohnten Form geben, wie unsere zahlreichen Besucherinnen und Besucher es aus der Vergangenheit kennen. Normalerweise lebt es von den etwa 9.000 Menschen, die es jeweils an den zwei Abenden besuchen. Ein Grundprinzip der Veranstaltung ist, dass die Gäste über das Gelände des Kleinen Festes laufen, sich verschiedene Vorstellungen anschauen und auf die sich im Schlosspark frei bewegenden Künstlerinnen und Künstler treffen. So ist es möglich, im Laufe eines solchen Veranstaltungstages ganz viele verschiedene Vorstellungen zu sehen. Leider wird es in diesem Jahr eine Veranstaltung mit einem sich bewegenden Publikum nicht geben. Um sicher zu gehen, dass wir eine Veranstaltung — unter Vorbehalt der dann geltenden Coronaregeln — durchführen können, haben wir uns ein gänzlich anderes Konzept überlegt.«

Wie wird dieses neue Konzept aussehen?

HB: »Ich sage es absichtsvoll zu Beginn, da es mir wichtig ist und ich das deutlich machen möchten: Es wird kein Kleines Fest im gewohnten Rahmen. Es wird ein Kleines Bühnenfest, bei dem wir drei Bühnen an verschiedenen Standorten aufbauen — sonst haben wir ja immer bis zu 20 Bühnen im Park verteilt gehabt. An diesen drei Standorten — auf der Schlosswiese, am Schweizer Haus und auf dem Festplatz an der Katholischen Kirche — werden größere Bühnen aufgebaut und Stühle gestellt, von denen sich die Besucherinnen und Besucher die Darbietungen auf Abstand anschauen können. Auf jeder dieser Bühnen werden unterschiedliche Shows gezeigt.«

Wie lange wird eine solche Show dauern und wie viele Künstlerinnen und Künstlern werden zu erleben sein?

HB: »Bei einem normalen Kleinen Fest sind die einzelnen Shows auf den Bühnen immer etwa 15 bis 20 Minuten lang. Und diese Dauer wird auch beim neuen Format, dem Kleinen Bühnenfest, gezeigt werden. Insgesamt werden fünf Künstlerinnen und Künstler — das kann ein Solist oder eine Solistin, ein Duo oder auch eine größere Formation sein — auftreten, sodass wir eine Show mit einer Gesamtlänge von 90 bis 100 Minuten zeigen können. Das Publikum wird die ganze Zeit an einer Bühne sitzen und sich nicht durch den Park bewegen. Es ist im Grunde genommen ein Theater unter freiem Himmel. Durch die Eintrittskarten bekommt jeder Gast einen festen Sitzplatz. Das sind die zu erwartenden Bedingungen, unter denen so eine Veranstaltung stattfinden kann und die auch im letzten Jahr gegolten haben. Und deswegen ist das Kleine Bühnenfest auch eine völlig andere Art der Veranstaltung als das Kleine Fest im großen Park.«
 

Besonders in diesem Jahr ist, dass wir nicht nur an zwei Tagen stattfinden, sondern es nun an drei Tagen mehrere Veranstaltungen geben wird. Am Freitag wird es zwei, am Samstag sogar drei und am Sonntag wieder zwei Zeiten geben, zu denen drei Bühnenveranstaltungen parallel gezeigt werden.

Harald Böhlmann

Können Sie schon erste Programmhöhepunkte verraten?

HB: »Auf zwei der Bühnen, die wir aufbauen werden, gilt das Prinzip der Mixed-Shows. Das heißt, fünf verschiedene Künstlerinnen und Künstler sowie Ensembles gestalten jeweils 15- bis 20-minütige Programmpunkte, sodass es eine Show mit einer Gesamtlänge von 90 bis 100 Minuten geben wird. Eine dieser Bühnen wird am Schweizer Haus und die andere auf dem sogenannten Festplatz an der Katholischen Kirche stehen. Und dann wird es eine ganz große Bühne auf der Schlosswiese direkt hinter dem Schloss geben, auf der jeweils eine durchgehende Show gezeigt wird, die auch für Kinder und Familien geeignet ist. Diese Veranstaltung wird von einem Ensemble aufgeführt, mit dem wir vom Kleinen Fest auch schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben, und das sich einen großartigen Namen mit ihren eigenen Shows gemacht hat: Das ist das Feuerwerk der Turnkunst, die auf der Schlosswiese eine große Show mit bis zu 14 Akteurinnen und Akteuren zeigen werden.«

Worauf freuen Sie sich denn am meisten in diesem Jahr beim Kleinen Bühnenfest?

HB: »Ich freue mich am meisten darüber, dass wir unter den schwierigen äußeren Bedingungen eine Veranstaltung für unser Publikum durchführen können. Das ist ja das Ziel des Ganzen. Wir machen die Veranstaltung ja nicht zum Selbstzweck, sondern weil wir unserem Publikum etwas bieten wollen — nämlich spannende, unterhaltsame Shows. Es wird die gleiche hohe Qualität der Künstlerinnen und Künstler sowie die gleiche Bandbreite der Shows geben. Dabei wird neben Akrobatik und Comedy auch etwas Musikalisches geboten — also wieder ein breites Angebot. Das ist ja auch das, worauf sich das Publikum am meisten freut.«

Noch eine Frage zu guter Letzt: Wie finden Sie immer wieder neue Künstlerinnen und Künstler?

HB: »Ich mach diese Veranstaltung in Hannover seit mittlerweile über 30 Jahren. Und in dieser Zeit — ich habe irgendwann aufgehört zu zählen — sind ungefähr 700 bis 800 verschiedene Künstler und Künstlerinnen sowie Ensembles aus der ganzen Welt aufgetreten. Normalerweise kommen sie bei uns nur einmal und vielleicht im darauffolgenden Jahr noch einmal. Dann sind sie vielleicht nach drei, vier oder fünf Jahren noch einmal wiedergekommen, wenn sie eine neue Show hatten. Auf diese Weise habe ich ein riesiges Netzwerk aufgebaut mit Künstlerinnen und Künstlern, die ich kenne, von denen ich weiß was sie machen, von denen ich auch weiß, dass sie hohe Qualität haben. Das heißt, ich kann erst einmal immer auf dieses Künstlerreservoir zurückgreifen. Das sind übrigens nicht nur die Künstlerinnen und Künstler selbst, sondern natürlich auch Agenturen mit denen ich zusammenarbeite. Eine weitere Möglichkeit ist, dass ich mir sehr, sehr viel anschaue und unterwegs bin. Ich gehe in Zirkusse, in Varietés, auf Festivals, in Showcases, zu internationalen Veranstaltungen. Einfach um zu sehen, ob es nicht irgendwo etwas gibt, das ich noch nicht kenne und interessant für uns sein könnte. Ich habe mir sogar zum Prinzip gemacht, dass ich bei unseren Veranstaltungen nur Künstlerinnen und Künstler verpflichte, die ich zuvor live gesehen habe. Mir ist immer wichtig zu sehen, wie ein Künstler oder eine Künstlerin mit dem Publikum umgeht bzw. wie die Publikumspräsenz ist und die Gäste reagieren. In diesem Jahr war ich auf mein Reservoir — wie ich es vorhin genannt habe — angewiesen. Auf diese Weise ist es mir nicht schwer gefallen, gute Künstlerinnen und Künstler für das Kleine Bühnenfest zu finden. Viele von ihnen wären im letzten Jahr, wenn es denn stattgefunden hätte, im Programm gewesen.«