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Vom Lichtspielhaus zum
»Unerhörten Ort«

Stubnitz-Lichtspiele in Sassnitz

»Ach, was wir hier getanzt haben!« — Diesen Satz haben wir in Sassnitz sehr häufig gehört, als wir das Konzert mit Schlagzeuger Johannes Fischer im Stubnitz-Lichtspielhaus vorbereiteten. Als Teil unserer Reihe »Unerhörte Orte« erweckten wir während des Festspielherbstes Rügen 2021 den Ort wieder zum Leben. Zu den Konzertbesucherinnen und -besuchern zählten nicht nur Touristen und Touristinnen, sondern vor allem viele Einheimische, die endlich wieder einen Blick hinter die für so lange Zeit verschlossenen Türen werfen wollten.

 

Die Stubnitz-Lichtspiele wurden 1958 als Filmtheater und Kulturhaus der Stadt Sassnitz eröffnet und galten bis 1992 als das kulturelle Zentrum von Sassnitz. Im Gebäudeinneren waren im Erdgeschoss ein großzügiges Foyer sowie eine Gaststätte untergebracht und im Obergeschoss der große Kinosaal. Eine große Bühne und für die damalige Zeit modernste Technik ermöglichten neben der Nutzung als Lichtspieltheater auch Großveranstaltungen, Jugendweihen sowie die Aufführung von Theaterstücken und Konzerten.

Heute blättert der ehemals leuchtend bunte Putz im Inneren ab, den rissigen Holztüren fehlen die Glasscheiben, das Parkett ist aufgebrochen und nur die einsam im Treppenhaus baumelnden Lampen und die wenigen übriggebliebenen Klappstuhlreihen im großen Saal erinnern noch an die einstige Lebendigkeit des Hauses.

»Klangzauberer« Johannes Fischer erweckte die stillen Räume jedoch zumindest für die Dauer des Konzertes wieder zum Leben. Mit seinem gewaltigen Set-up aus Vibrafon, Trommeln aller Art, Gongs, asiatischen und afrikanischen Schlaginstrumenten und jeder Menge Haushaltsgeräten füllte er die Bühne. Neben Werken von Iannis Xenakis, Georges Apherghis, Steve Reich und John Cage begeisterte er das Publikum auch mit eigenen Werken.

Weil das Haus nach seiner Schließung 1992 in seiner Substanz fast gänzlich unberührt geblieben ist, stößt der Bau nun auf große Wertschätzung beim Denkmalschutz. So beschäftigen sich bereits Fachleute mit der Erhaltung der elf noch vorhandenen Betonwerkstein-Reliefs des bekannten Rostocker Bildhauers Jo Jastram an der Fassade sowie der umfangreich vorhandenen Originalausstattung im Inneren.

Demnächst soll das Überbleibsel der wieder wertgeschätzten DDR-Architektur der 50er-Jahre behutsam saniert und vielleicht schon bald wieder regelmäßig für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Wir haben mit der Restauratorin Sarah Gschlecht, die über die Stubnitz-Lichtspiele in Sassnitz ihre Diplomarbeit geschrieben hat, über die Geschichte des und Zukunftspläne für das Gebäude gesprochen:

Text von Carina Grün