»Unsere Pusteblume fühlt sich wie die Königin des Gartens«

Rund 100 Künstler:innen und ihre Helfer:innen verwandeln am 1. und 2. August den Schlosspark Ludwigslust wieder in ein Land der Fantasie. Dem staunenden Publikum präsentieren sich nicht nur dutzende Bühnen, sondern auch die seltsamsten Kunstwesen, die sich ganz ohne Podium auf Wiesen und Wegen einfach unter die Gäste mischen — und ihnen das Gefühl geben, in einer wahren Zauberwelt gelandet zu sein.

Eine der Schauspieler:innen, die diesen Zauber immer in wieder nach Ludwigslust bringen, ist Steffanie Gätjens mit ihrem Theater Art Tremondo. Wir haben mit ihr über Ihre Kostüme, das Stelzenlaufen und Ihre Performance gesprochen.

 

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern:  Wie muss man sich die Entstehung Ihrer Auftritte vorstellen?

 

Steffanie Gätjens: Die Kostüme mache ich selbst. Natürlich mit Hilfe, auch mein Lebensgefährte hilft mit, aber die Hauptdesignleistung und Näharbeit sind von mir. Jedes Kostüm verkörpert einen eigenen Charakter. Was den letztlich genau ausmacht, diese Ideen werden im Team geboren. Ich komme ja aus dem Theater und arbeite nach den Prinzipien des Method acting, picke mir sozusagen die Rosinen aus dieser Methode, Charaktere zu erarbeiten. In vielen Proben formen wir die Figuren. Die dürfen sich dann im Laufe der Zeit aber auch ändern. Denn der zweite Mitspieler ist immer das Publikum. Wenn die Leute so oder so auf unsere Figuren reagieren, agieren wir auch so oder so. Natürlich improvisieren wir viel und so ist es ein Geben und Nehmen mit dem Publikum. Insgesamt haben wir über 60 Kostüme im Fundus. Für alle haben wir die Strassberg-Arbeit gemacht. Und damit man das Ergebnis nicht vergisst, schreiben wir Stichworte auf sogenannte Charakterblätter.

 

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern:  Wie wichtig ist dabei das Stelzenlaufen?

 

Steffanie Gätjens: Am Anfang hatte ich keine Stelzen im Repertoire. Als ich mich 2001 selbständig gemacht habe, fand ich aber, dass es Charaktere gibt, die brüllen danach, dass ich ihr Kostüm auf Stelzen stelle. Der Giersch hingegen, der beim Kleinen Fest auch mitspielt, der macht keinen Sinn auf Stelzen, der kriecht, schaut den Leuten auf Augenhöhe ins Gesicht und sagt »Da bin ich« und redet auf die Leute ein. Für die Pusteblume und das Tausendschön wollte ich unbedingt Stelzen, die reden auch, aber von oben herab ist das Reden etwas anderes. Unsere Pusteblume fühlt sich wie die Königin des Gartens, nicht die Rose ist es, die Wildkräuter sind es! Und Pusteblumen bringen Glück. Die Leute können pusten und wir bringen die guten Wünsche direkt den Himmel.

 

 

 

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern:  Wie lange dauert für Sie eine Spielrunde beim Kleinen Fest im großen Park?

 

Steffanie Gätjens: Wir spielen 60 Minuten — gehen um den Teich herum und in die Hofdamenallee. Danach brauchen wir 45 Minuten Pause. Mein großes Ziel ist, dass alle lachen, nachdem sie mir begegnet sind. Sie sollen besser drauf sein als bevor sie mich getroffen haben. Ich erreiche  das, in dem ich die Leute überrasche. Wann spricht mal schon mal mit einer Blume! Viele Zuschauer:innen spielen super gerne mit, dürfen mal wieder ein bisschen Kind sein.

 

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern:  Sie haben Ihre Kunst bereits vor dem Aufkommen der Fotohandys ausgeübt. Hat sich Ihre Arbeit durch das permanente Fotografieren verändert?

 

Steffanie Gätjens: Ohja sehr. Ich probe extra Choreografien, so genannte Stopps, damit das Publikum Bilder machen kann. Ich werde dafür auch oft in meinem Text unterbrochen. Manchmal gebe ich dem nach, manchmal nicht. Schlagfertigkeit ist das A und O in meinem Job. Aber ich nehme die Menschen wie sie sind, ich will ja, dass sie gut drauf sind. Auf den Fotos gut auszusehen, das habe ich jahrelang geübt. Denn auch das fotografiert werden ist Teil des Zaubers wie alles andere. Das hat sehr viel mit Energie zu tun. Wenn ich schlapp aus meiner Garderobe gehe, wird das schönste Kostüm langweilig. Unsere Energie muss von der ersten bis zur letzten Sekunde wach sein.

 

 

 

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