Spielstätten der Festspiele

Universitätsplatz 5
18055 Rostock
www.barocksaal-rostock.de

Der Rostocker Barocksaal am ehemaligen Palais der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin ist eine bezaubernde Kostbarkeit der Architektur des 18. Jahrhunderts. Seine Entstehung ist eng mit der Landesgeschichte verbunden. Sie hängt mit dem vergeblichen Versuch des Herzogs Carl Leopold zusammen, Mecklenburg in einen absolutistischen Territorialstaat umzugestalten. Die Rostocker aber ließen sich nur ungern von ihrem Landesherrn aus dem Schweriner Schloss regieren. So diente das Gebäude, das 1714 unter Leitung des mecklenburgischen Baudirektors Leonhard Christoph Sturm entstand, nur repräsentativen Zwecken, wenn sich die herzogliche Familie in Rostock aufhielt. Der kunstsinnige Herzog Christian Ludwig, Nachfolger Carl Leopolds, gab um 1750 seinem Baumeister, dem Franzosen Jean Laurent Legeay den Auftrag zu einem Ergänzungsbau des herzoglichen Palais’ in Rostock, der heute als „Barocksaal“ bezeichnet wird. Das in zwei Jahren gebaute zweigeschossige Barockgebäude erhielt im Obergeschoss den reichgeschmückten Festsaal für Theateraufführungen und Konzerte und im Erdgeschoss einen kleinen Saal. Nach dem Tod Herzog Christian Ludwigs 1756 verwaiste der Saal und das Palais wurde schließlich zum Witwensitz umgebaut. Bis zur Entmachtung des Herzogshauses im Jahr 1918 wurde der Barocksaal nur noch sehr selten für Veranstaltungen des Hofes genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte der Saal zeitweilig dem Amtsgericht, das ihn auch als Gerichtssaal nutzte. Es fanden daneben einige Konzerte, Vorträge und Aufführungen der Niederdeutschen Bühne statt. 1953 schließlich wurde der Barocksaal zum Lesesaal der Universität umfunktioniert. Der bauliche Zustand verschlechterte sich wegen mangelnder Pflege zunehmend. 1956 musste der Bau, zuletzt als Lager genutzt, aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Erst 1963 wurde mit einer umfassenden Restauration begonnen, die 1968, anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadt Rostock, zur Wiedereröffnung des Saals für Konzert- und Festveranstaltungen führte. Der Barocksaal strahlt seitdem wieder das Fluidum und die Eleganz französischer Architektur des 18. Jahrhunderts aus. Die heutige Farbgebung gleicht der ursprünglichen, lediglich die sparsamen Vergoldungen sind hinzugefügt worden. Die vorhandene Ausstattung besteht aus den originalen barocken Elementen (Wand- und Deckengestaltung mit Stuckelementen und Medaillons von Mitgliedern des mecklenburgischen Herzoghauses), den historischen Spiegeln sowie den stilvollen Ergänzungen der 60er-Jahre. Zu Letzteren gehören die böhmischen Leuchter, die Wandbespannungen, die Heizkörperverkleidungen, das Gestühl und die Notenpulte. All diese Elemente wurden extra für den Saal entworfen. Der Barocksaal ist somit nicht nur ein herausragendes Denkmal barocker Baukunst, sondern auch ein Beispiel für die denkmalpflegerischen Leistungen der 60er-Jahre.