Spielstätten der Festspiele

 

Schwerin, Haus der Festspiele MV

Lindenstraße 1
19055 Schwerin
www.festspiele-mv.de

1821 als „Ersparnisanstalt“ gegründet, hatte die Schweriner Sparkasse anfangs nur ein Büro im Hofmarschallamt in der Schlossstraße, ab 1835 dann zwei Räume im Rathaus am Markt gemietet. Bald stieg aber der Platzbedarf deutlich an und so erwarb man an der Ecke der damaligen Königs- (heute Puschkin-)straße zur Lindenstraße drei baufällige Häuser, die man abreißen ließ, um vom Baumeister Theodor Krüger, der u.a. auch  für die Schweriner Paulskirche verantwortlich zeichnete, dort einen Neubau errichten zu lassen. 1857 konnten die neuen Räume bezogen werden. Besonders augenfällig waren die sechs Zementguß-Skulpturen des Bildhauers Carl Georg Ludwig Wiese, die symbolisch für die Tugenden „Wohltätigkeit“, „Arbeitsamkeit“, „Sparsamkeit“ und „Bewahrung des Ersparten“ auf die Lindenstraße blicken bzw. als Landarbeiter und Handwerker die Fassade zur Puschkinstraße schmücken. Drei Sandsteinreliefs im Eingangsbereich mahnten „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“, „Bete“ und „Arbeite“. Neben einer „Schatzkammer“ mit verstärkten Wänden, verfügte das neue Haus auch über ein „Wächterzimmer“, in dem ein Kassendiener übernachtete, sowie über eine Direktorenwohnung im ersten Obergeschoss.

Bereits dreißig Jahre nach Eröffnung des Hauses wurde weiterer Platz benötigt, so dass man 1890 das benachbarte Haus in der Königsstraße samt Hof aufkaufte und abtrug, um hier einen Anbau mit passender Fassadengestaltung zu errichten. Hier entstand im ersten Geschoss ein großer Versammlungsraum, den wir heute als Menuhin-Saal bezeichnen, und das repräsentative Treppenhaus mit dem großem Bleiglas-Fenster, das 1892 von der Kunst- und Bauglaserei Krenzien aus Rostock geschaffen wurde. Auf dem Hof wurde das Hinterhaus als Dienerwohnung errichtet.

1900 setzte der neu ernannte Direktor zur Nedden eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes durch, bei der u.a. auch der aus Oberkirchner Sandstein gefertigte Balkon zur Lindenstraße und eine siebte Zementguß-Figur am Anbau in der Königsstraße angebracht wurde: Hugo Berwald symbolisierte mit ihr den „Unterricht“.

1920 erfolgten weitere Umbauten: Der Eingang von der Königsstraße wurde an das rechte äußere Ende der Fassade verlegt, dort wo er heute als Zugang zum SB-Bereich der Sparkasse dient. Der Tresor wurde als Stahlkammeranlage unter den Hof verlegt, wo er sich heute noch befindet. Dadurch entstand die Möglichkeit zur Einrichtung einer großen Kassenhalle mit drei Schaltern im Erdgeschoss. Die damalige Gestaltung mit ionischen Säulen und vielfältigen Stuckaturen lässt sich noch heute nachvollziehen.

Da nicht alle Direktoren das erste Obergeschoss als Wohnung nutzen, wurden diese Räume im Laufe der Zeit immer wieder fremd genutzt: als Nähstube der Nothilfe, als Lesesaal der Volksbücherei, für das Grundbuch- und Versorgungsamt und die Hitlerjugend.

In den 30er-Jahren expandierte die Sparkasse in einem Maße, dass ein kompletter Neubau notwendig wurde: Der ab 1936 geplante und 1938 eingeweihte Bau vom Hamburger Professor Paul Fliether am Marienplatz wurde zum Hauptstandort, das Gebäude Königsstraße/Lindenstraße wurde zur Zweigstelle abgestuft.

Bald diente die Direktorenwohnung der Unterbringung durch Fliegerangriffe obdachlos gewordenen Familien, nach dem Krieg zog dann die Stadtverwaltung (u.a. mit der Friedhofsverwaltung) ein. Erst 1950 konnte wieder ein Sparkassenbetrieb aufgenommen werden, der bis zur Schließung der Filiale im April 2018 fortgeführt wurde. 1984, 1992,1994 und 2000 erfolgten jeweils notwendige Renovierungen und Umbauten.

Mit Datum vom 28.06.2018 hat die Stiftung der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern das Gebäude Lindenstraße 1/Puschkinstraße 2, 4 von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin erworben.