St.-Johannis-Kirche Malchin
St.-Johannis-Kirche Malchin

Malchin, St.-Johannis-Kirche

Am Markt
17139 Malchin

Die Größe der St. Johanniskirche legt eine Frage nahe: Wie kommt eine solch kleine Stadt wie Malchin zu solch einer gewaltigen Kirche? Um die Frage zu beantworten, muss man in die Geschichte schauen. Seit 1236 mit dem Schweriner Stadtrecht versehen, nahm Malchin schnell einen wirtschaftlichen Aufschwung - im 14. Jahrhundert war sie die viertgrößte Stadt in Mecklenburg und galt als eine der reichsten mecklenburgischen Ackerbürgerstädte. Zwischen 1621 und 1918 fanden hier, im Wechsel mit Sternberg, die Mecklenburger Landtage statt, die in der Kirche eröffnet wurden. Zehn Jahre nachdem Malchin das Stadtrecht verliehen worden war, bestätigt der Bischof Wilhelm von Camin in einer Urkunde einen ersten Kirchenbau. Aus noch vorhandenen Bauresten lässt sich erschließen, dass es sich damals um eine kleinere, im romanischen Stil erbaute, dreischiffige Hallenkirche handelte. Bei einem großen Stadtbrand 1397 ist dieser Kirchbau fast völlig zerstört worden. Lediglich die südliche und westliche Außenmauer blieben erhalten. Dort lassen sich heute noch Ornamente aus romanischer Bauzeit leicht wahrnehmen: Reste eines Rundbogenfrieses unter einer zweifachen Stromschicht, Rosetten und ein Fensterschlitz mit schräge eingehenden Wandungen. Um rasch einen Neubau der Kirche zu befördern, verlieh am 6. Juni 1397 der in Malchin anwesende Johann, Bischof von Garda, der abgebrannten St. Johanniskirche zu Malchin einen Ablass „zur Wiederauferbauung und Ausrüstung“. Schon 1440 konnte der neue Kirchbau geweiht werden. Er wurde als eine dreischiffige gotische Basilika aufgeführt. Bis heute unklar ist die Baugeschichte der nach Süden ausgebauten Marienkapelle und des Turmes. Dieser steht, nördlich versetzt, nicht in der Mittelachse der Kirche. Die ursprünglich gotische Turmspitze ist im Jahre 1648 heruntergefallen und wurde dann durch die barocke Haube, die 1897 noch einmal etwas verändert wurde, ersetzt. Der Altaraufbau ist ein Werk aus dem Jahr 1824. Das Gemälde, das die Kreuzigung Christi zeigt, wurde vermutlich von Wilhelm Krüger, einem gebürtigen Malchiner geschaffen. Die umgrenzenden Säulen sind aus Stucco-Lustro, einem Marmorersatz, hergestellt. Obenauf stehen die Apostel Petrus und Johannes. Die Kreuzigung Christi wird eingerahmt durch die Kirchenfenster zur Linken und zur Rechten, die 1902/03 eingesetzt wurden. Der barocke Prospekt der Orgel stammt von einer alten Orgel aus dem Jahr 1780 und wurde belassen, als der Mecklenburger Orgelbauer Friedrich Friese 1877 eine neue Orgel für die Kirche baute. Die Orgel hat zwei Manuale, Pedal und 28 Register. Das Mecklenburgische Wappen an der Empore erinnert an die Landtage in Malchin. Unmittelbar neben dem Chorraum ist eine alte Renaissance-Kanzel aus dem Jahr 1571 aufbewahrt. Sie wurde von Hans Boeckler gefertigt und von einem Malchiner Bäcker, Conradus Frolike, gestiftet. Neben den Evangelisten, von denen einer leider „abhanden“ gekommen ist, finden sich auf der Vorderseite der Kanzel auch drei Heißwecken, als Hinweis auf den edlen Spender. Lohnend ist ein Aufstieg auf den Kirchturm. Von luftiger Höhe lässt sich die alte Anlage der Stadt Malchin ausmachen. Über die Endmoränenlandschaft der Mecklenburgischen Schweiz im Norden reicht der Blick bis zum Kummerower See im Osten.

 

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